"Eine Vision ist etwas, das in der Zukunft real wird." - Wolfram de Bruyn über das Leben als Erfinder und die Entstehung der LED-Produkte der ARTMOS GmbH

Erstellt von Eva de Bruyn |

Zauberei - Informatik - Lichtkunst: Dieser Dreiklang bestimmt sein ganzes Leben. Schon als Kind entwickelte ARTMOS-Gründer und Geschäftsführer Wolfram de Bruyn Geräte, die mathematische Prinzipien in Hardware umsetzten. Und als Teenager erschuf er erste Lichtskulpturen. Im Interview berichtet der Erfinder von LED-Produkten und Kopf der ARTMOS GmbH, warum man als Visionär mehrere Denkweisen vereinen muss - und wie ihm sein Berufsweg vom Informatiker, zum Meister der Magie hin zum Geschäftsführer und Unternehmer dabei geholfen hat.

Die LED-Kugel, MOBILE DISPLAYS und CIRCLED: Sie bringen immer wieder neue LED-Produkte auf den Markt, die Gestaltungsmöglichkeiten bieten, welche zuvor gar nicht umsetzbar gewesen wären. Verstehe Sie sich selbst als Erfinder?

Ich verstehe mich als Problemlöser. Und als Visionär. Wenn ich eine Idee habe - zum Beispiel eine rundum bespielbare Video-Kugel, die den ganzen Raum zum Erleuchten bringt - dann überlege ich, wie ich das umsetzen kann. Nach dem Informatik Studium habe ich lange als Zauberkünstler gearbeitet und im Prinzip geht es mir heute als Unternehmer immer noch um dasselbe: Ich möchte einen Effekt bewirken beim Zuschauer, also überlege ich, wie ich das erreiche. Visuelle Eindrücke und einzigartige Erlebnisse im Raum - das ist stark - nicht nur in Kunst und Zauberei, sondern auch in der Unternehmenskommunikation und im Marketing.

Sie beschreiben sich selbst als "Visionär". Was macht einen Visionär - aus Ihrer Sicht - aus?

Wissen Sie, vor einigen Jahren hätte ich das vermutlich noch gar nicht so formuliert. Ich bin sehr gut vernetzt in der Künstlerszene und kenne viele Menschen, die sehr kreativ sind. Visionär zu sein, das heißt für mich: Man hat nicht nur eine tolle Idee, sondern man tut auch alles dafür, dass diese umgesetzt wird. Eine Vision ist etwas, das in der Zukunft real wird.

Kreativität, Leidenschaft, Kraft und Beharrlichkeit: Man braucht ganz viel, um eine Idee zu verwirklichen. Dass ich es geschafft habe aus meiner Ideenwelt ein ganzes Unternehmen und bereits gut am Markt etablierte LED-Produkte zu entwickeln, liegt an meiner ganz geheimen Stärke. Top Secret. Lacht. Also, na ja. Ich kann eben zwischen verschiedenen Disziplinen switchen. Und das ist wichtig - sonst hätte ich nie als Informatiker, Zauberkünstler und Unternehmer erfolgreich sein können. Und letztlich hatten die Stationen in meinem Leben und die verschiedenen Denkweisen dabei auch einen wichtigen Lerneffekt.

Verschiedene Denkweisen - was meine Sie damit genau?

Aus der Kreativitäts- und Intelligenz-Forschung weiß man: Es gibt zwei grundlegend unterschiedliche Denkstile - das divergente und das konvergente Denken. Während viele Künstler einen divergenten Denkstil pflegen - sich also offen, experimentierfreudig und eher unsystematisch einem Thema nähern -  denken Informatiker klassischerweise konvergent: linear, logische und rational. Als Visionär kann man aus meiner Sicht nur dann bezeichnet werden, wenn man zwischen beiden Denkweisen wechseln kann. Ein kleiner Tipp an alle Gründer und solche, die es werden wollen: Als Unternehmer ist es ein wahres Erfolgsrezept visionär zu sein.

Visionär zu sein allein, reicht aber auch nicht. Was brauchte es noch, damit ein so aufwändiges Produkt wie die LED-Kugel auf den Markt kommen konnte?

Das war natürlich ein langer Weg. Ohne ein  wachsende Netzwerk, die Unterstützung von vielen Einzelpersonen und den Aufbau von Kooperationen mit etablierten Firmen wäre das gar nicht möglich gewesen. Aber die Vision und der starke Wille zur Umsetzung - das waren schon die Grundlagen. Wenn Leidenschaft dahinter steckt, dann kann man auch andere mitziehen.

Ich habe viel mit Programmierern darüber geredet, wie man so eine Kugel animieren könnte. Und ich konnte andere begeistern, indem ich eine klare Vorstellung von den Einsatzmöglichkeiten hatte. Ganz nach dem Motto: Willst du ein Schiff bauen, gib den Leuten die Sehnsucht nach dem Meer.

Wissen Sie noch, ob es einen bestimmten Moment gab, an dem Sie wussten: ja, es kommt wirklich zur Umsetzung und aus der Idee wird ein Produkt?

Die einzelnen Schritte hin zur Umsetzung konnte ich manchmal selbst kaum glauben. Am unglaublichsten war sicher der Moment, als wir einen Financier gefunden haben für die erste Kugel. Ich erinnere mich genau, denn ich konnte es anfangs kaum glauben. Das war der Startschuss für den Bau: Die LED-Kugel war geboren. Vermutlich stimmt das nicht immer, aber ich glaube ganz fest daran: Wenn die Zeit reif ist für eine Idee, dann findet man auch die Leute, die sie mit einem umsetzen.

 

 

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